Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Nachdem alle Musiker von der Bühne abgetreten waren, leerte sich langsam der Saal. Wie benommen ging ich in einem unbeobachteten Moment alleine nach vorne zum Podium, um von unten noch ein wenig “Atmosphäre zu schnuppern”. Das Podium reichte mir genau bis zur Nase. Gierig sog ich den Geruch ein, der mir vom höher gelegenen Fußboden entgegenströmte: es roch so herrlich nach Bohnerwachs und den Brettern von der Bühne.    

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Aber der Cellist! Sein Spiel beeindruckte mich mehr als all das hohe Gequietsche der Geigen. Er entlockte dem Instrument geradezu magische Klänge. Gegen Ende des Stückes hatte er ein Solo, bei dem mir die Tränen in die Augen schossen. Der ganze Saal um mich herum verschwamm. Sein Instrument klang so ergreifend, das es mir für immer ins Herz ging.    

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Der mit der Bratsche, die aussah wie eine zu große Geige, hatte eine Glatze. Er saß ganz hinten auf seinem Stuhl und ruhte sich, egal ob er spielte oder nicht, an der Rückenlehne aus. In den langen Pausen stellte er sein Instrument auf dem Knie ab. Wenn er zum Spiel ansetzte, musste er seinen linken Arm so weit ausstrecken, dass er kaum die Töne greifen konnte. Es wirkte alles äusserst unbequem! So viel Aufwand für so wenige Töne! Er kam mir vor wie ein schottischer Burggraf, der morgens die Zugbrücke herunterlässt und [...]

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Es war ein Nachmittag, an dem viele Musiker auftraten, u. a. ein Streichquartett. Bei dem Quartett faszinierte mich ganz besonders der Cellist. Er spielte die schönsten Töne, die so herrlich warm und tief klangen. Außerdem hatte er auf der Bühne das feinste Benehmen von allen. Bei ihm wirkte alles so vornehm, durchdacht und unangestrengt.    

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Die Hexe merkte das langsam und wurde ein bisschen freundlicher, versäumte es aber nie, in den Stunden vor den anderen gegen meine Flöte zu sticheln. Immer wenn in der Gruppe ein falscher Ton erklang, war ich es schuld und musste einzeln vorspielen, sozusagen als Solist wider Willen. Ich war immer sehr aufgeregt, aber es hat mich für später abgehärtet. Wenn ich heute auf der Bühne nervös werde, denke ich immer an früher: “Damals hat es auch geklappt!” Irgendwann wurde es mir aber doch zu bunt. Ich wollte nur noch weg, am besten [...]

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Als ich nach Hause kam, habe ich meiner Mutter alles erzählt und musste schrecklich weinen. Sie hatte mir einige Tage zuvor die Geschichte vom hässlichen Entlein erzählt, genauso kam ich mir jetzt mit meiner braunen Blockflöte vor. Meine Mutter hat mich damals in den Arm genommen und sehr getröstet: "Eine neue Flöte können wir uns jetzt nicht leisten. Aber Du wirst sehen, wenn Du fleißig übst, wirst Du sicher so gut spielen wie all die anderen Kinder. Viel wichtiger als die Blockflöte ist der Blockflötenspieler!" Nun fing ich wirklich an zu üben, [...]

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Mit Deiner komischen Mollenhauer-Flöte kannst Du niemals so gut spielen wie die anderen.” Daraufhin wurde ich richtig ärgerlich und sagte zu ihr: “Ich werde Ihnen zeigen, das ich mit meiner braunen Blockflöte genauso gut spielen kann, wie all die andern Kinder mit ihren weißen Moeck-Blockflöten.” Da sagte die Lehrerin eiskalt: “Das werden wir ja sehen.” Sie war richtig ekelhaft und ich nannte sie seitdem insgeheim: “Die Hexe mit den langen Zähnen”.

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Der neuen Lehrerin war meine braune Altblockflöte nicht gut genug. Ich konnte die strenge Frau schon von Anfang an nicht leiden, denn sie hatte Zähne wie ein Pferd, mit denen sie mehr in ihre Blockflöte biss als blies. In der zweiten Stunde wurde sie dann deutlicher: “Du musst Dir eine neue Blockflöte kaufen wie alle anderen Kinder hier. Du brauchst eine weiße Altblockflöte von der Firma Moeck, ich bringe Dir die neue Flöte in der nächsten Stunde mit.” Ich konnte damals trotz meiner jungen Jahre (6) schon ziemlich starrsinnig sein und sagte: [...]

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