Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Heute spiele ich nicht im Quartett, sondern wie in der Blockflötenstunde als Solist. Diesmal aber nicht mehr gegen den eigenen Willen. Auch sonst hat sich einiges geändert. So glaube ich nun nicht mehr, dass Cellisten stets die feineren Leute sind. Ich kenne Cellisten, die sich auf dem Podium in der Nase bohren und vor Aufregung an solch fürchterlichen Blähungen leiden, dass es von der Bühne bis auf die teuersten Plätze in die erste Reihe stinkt. Cellisten sind auch nur Menschen! Trotzdem hat die Mutter eines durchaus begabten Cellokollegen kürzlich ein Buch veröffentlicht [...]

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Mein Bruder Hannes, der heute ein bekannter Jazzgeiger ist, schlug vor, ich solle Klarinette lernen, dann könne ich ja später auf Saxofon umsteigen und in seiner Band mitspielen. Er dachte schon sehr früh sehr praktisch. Aber ich wollte weder Klarinette noch Saxofon lernen, ich wusste, was ich seit diesem Nachmittag wollte: Ich wollte Cello lernen und kein anderes Instrument! Und ich wollte später mit dem Cello auf die Bühne gehen, am liebsten im Quartett. So sind die Jahre vergangen, und heute spiele ich nicht im Quartett, sondern wie in der Blockflötenstunde als [...]

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen In meiner Fantasie sah ich mich nun selbst auf der Bühne mit dem Cello spielen. Ich wollte in Zukunft selbst von oben in den Saal und auf das Publikum gucken und nicht mehr nur als Zuschauer auf die hochblicken, die ich kurz zuvor noch bewundert hatte. Ich wollte der Mann mit dem Cello sein, der solche wunderbaren Töne hervorbringen konnte, und so träumte ich bis zu meinem ersten Auftritt, der drei Jahre später genau in diesem Saal stattfand. Als ich dann später zuhause erzählte, dass ich nicht mehr weiter Blockflöte spielen wollte, [...]

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Nachdem alle Musiker von der Bühne abgetreten waren, leerte sich langsam der Saal. Wie benommen ging ich in einem unbeobachteten Moment alleine nach vorne zum Podium, um von unten noch ein wenig “Atmosphäre zu schnuppern”. Das Podium reichte mir genau bis zur Nase. Gierig sog ich den Geruch ein, der mir vom höher gelegenen Fußboden entgegenströmte: es roch so herrlich nach Bohnerwachs und den Brettern von der Bühne.    

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Aber der Cellist! Sein Spiel beeindruckte mich mehr als all das hohe Gequietsche der Geigen. Er entlockte dem Instrument geradezu magische Klänge. Gegen Ende des Stückes hatte er ein Solo, bei dem mir die Tränen in die Augen schossen. Der ganze Saal um mich herum verschwamm. Sein Instrument klang so ergreifend, das es mir für immer ins Herz ging.    

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Der mit der Bratsche, die aussah wie eine zu große Geige, hatte eine Glatze. Er saß ganz hinten auf seinem Stuhl und ruhte sich, egal ob er spielte oder nicht, an der Rückenlehne aus. In den langen Pausen stellte er sein Instrument auf dem Knie ab. Wenn er zum Spiel ansetzte, musste er seinen linken Arm so weit ausstrecken, dass er kaum die Töne greifen konnte. Es wirkte alles äusserst unbequem! So viel Aufwand für so wenige Töne! Er kam mir vor wie ein schottischer Burggraf, der morgens die Zugbrücke herunterlässt und [...]

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen

Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Es war ein Nachmittag, an dem viele Musiker auftraten, u. a. ein Streichquartett. Bei dem Quartett faszinierte mich ganz besonders der Cellist. Er spielte die schönsten Töne, die so herrlich warm und tief klangen. Außerdem hatte er auf der Bühne das feinste Benehmen von allen. Bei ihm wirkte alles so vornehm, durchdacht und unangestrengt.    

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Wie ich Cellist wurde – ein modernes Märchen Die Hexe merkte das langsam und wurde ein bisschen freundlicher, versäumte es aber nie, in den Stunden vor den anderen gegen meine Flöte zu sticheln. Immer wenn in der Gruppe ein falscher Ton erklang, war ich es schuld und musste einzeln vorspielen, sozusagen als Solist wider Willen. Ich war immer sehr aufgeregt, aber es hat mich für später abgehärtet. Wenn ich heute auf der Bühne nervös werde, denke ich immer an früher: “Damals hat es auch geklappt!” Irgendwann wurde es mir aber doch zu bunt. Ich wollte nur noch weg, am besten [...]

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