Portrait

Thomas Beckmann stammt aus einer musikliebenden Düsseldorfer Familie. Sein Urgroßvater war Militärtrompeter und erhielt vom Kaiser für sein schönes Spiel eine silberne Trompete. Sein älterer Bruder Hannes lebt in München und ist ein anerkannter Jazzgeiger.

Schon während des Musikstudiums fiel Beckmann durch außergewöhnliche Begabung auf und wurde noch als Student zum Solocellisten in verschiedene Berufsorchester verpflichtet. Im Jahre 1980 wurde er Meister-Schüler von Pierre Fournier, der zu den bedeutensten Cellisten des 20. Jahrhunderts zählte.
Fournier vermachte seinem Lieblingsschüler seine umfangreiche Notenbibliothek. Sie ist nicht nur ein Kleinod aufgrund ihres bibliographischen Wertes, sondern insbesondere wegen der darin enthaltenen handschriftlichen Anmerkungen des Altmeisters. Die bedeutende Sammlung steht heute in Beckmanns Zuhause an nicht weniger repräsentativem Orte im Regal: Beckmann lebt in der Wohnung von Clara und Robert Schumann in der Düsseldorfer Altstadt, die ihm die Stadt Düsseldorf ehrenhalber zur Verfügung stellte.

Nach Fourniers Tode im Jahre 1986 trat Beckmann in größerem Maße öffentlich auf. Er unternahm europaweite Tourneen unter dem Motto “Oh! That Cello”, auf der er klassische Sonaten mit kleinen klassischen Werken und Stücken Charlie Chaplins kombinierte. Vorausgegangen war eine gleichnamige Platte, die Miniaturen Chaplins für Violoncello erstmalig veröffentlichte.

Beckmann spielte bisher vier CDs ein. “Oh! That Cello“, “Thomas Beckmann – Charlie Chaplin” und “Short Pieces for the Cello” avancierten in kürzester Zeit in 27 Ländern zur erfolgreichsten Celloplatte. “Oh! That Cello” wurde mit dem “Preis der Deutschen Schallplattenkritik” ausgezeichnet. “Beckmann spielt Cello” ist ein Livemitschnitt von Beckmanns aufsehenderregendem Konzert in der Berliner Philharmonie, mit der er am 13. April 2000 eine Benefiztournee durch 32 deutsche Städte beendete. Das drei Wochen vorher ausverkaufte Recital war die erste Internet-Liveübertragung eines Konzertes aus der Berliner Philharmonie.

Von 1986 bis 1991 unternahm Beckmann ausgedehnte Tourneen unter dem Titel “Beckmann spielt Cello” und trat in zahlreichen großen Konzerthallen auf. Höhepunkt war das Jahr 1989, in dem er 207 (!) Konzerte bestritt. Ein gewaltiges Pensum, darunter eine umjubelte Tour durch die damalige Sowjetunion. Das letzte Konzert im Moskauer Kulturpalast beschrieb die “Moscow Press” wie folgt:
“Viele waren so gerührt, daß sie weinten. Nach der letzten Zugabe “Elegie” verwandelte sich der Kulturpalast in einen wahren Hexenkessel. Das Publikum sprang auf die Sitze und zeriss das Programm zu Konfetti.”

In Paris trat Beckmann im Dezember 1995 gemeinsam mit seiner Frau, der Pianistin Kayoko Matsushita, im Pariser “Theatre Mac Mahon” nahe den Champs-Elysées auf. Das Konzert war so erfolgreich, daß es zwei Wochen lang mit je zwei Vorstellungen pro Tag wiederholt werden mußte. Nach der Rückfahrt von Paris erlitten die Künstler zum Jahreswechsel einen schweren Autounfall. Nicht nur das Auto, sondern auch das wertvolle Guadagnini-Cello gingen zu Bruch. Beckmann bezeichnet das Ereignis als Schlüsselerlebnis, das den Ausschlag dafür gab, das Obdachlosenhilfeprojekt “GEMEINSAM GEGEN KÄLTE” bundesweit auszudehnen.

Als weiteren Wink des Schicksals verstand er auch, dass sich bei der erfolgreichen Reparatur seines Instrumentes im von außen nicht einsehbaren Oberklotz die Inschrift wiederfand, auf die er beim Kauf des Cellos Jahrzehnte zuvor schon hingewiesen worden war: “Il Mendicante” (“Der Bettler”). Das legendäre Instrument aus der Mailänder Periode (ca. 1750) des Geigenbauers Giambattista Guadagnini (1711-1786) gehörte im letzten Jahrhundert einem Pariser Bettler, in dessen Dachzimmer es nach seinem Tode neben einer Vielzahl eher minderwertiger Geigen gefunden wurde. Obwohl ihm wiederholt hohe Summen für das Cello geboten wurden, hatte der Amateurcellist das einzigartige Instrument wegen seines enormen Volumens und seines beseelten Klangs selbst um den Preis der Armut nicht hergeben wollen.

“Il Mendicante” entfaltete seine orchestrale Klangfülle und sein bis in den letzten Winkel tragendes Pianissimo in den größten Kirchen undKonzertsälen Deutschlands: In den Jahren 1996-1999 erklang es in mehr als 100 Konzerten, unter anderem anläßlich der Benefiz-Konzerte, in denen der Künstler zugunsten obdachloser Menschen Solo-Suiten von Johann Sebastian Bach spielte. Für ihr musikalisches und soziales Schaffen wurden Beckmann und seine Frau mit dem Europäischen Sozialpreis, dem Bundesverdienstkreuz, dem Kiwanis-Preis und der Lorenz-Werthmann-Medaille ausgezeichnet. Letztere ist die höchste Auszeichung, die die Deutsche Caritas vergibt, und wurde zuvor erst ein einziges Mal verliehen.

Vielen Menschen ist das Cello als Soloinstrument noch immer wenig geläufig. Dabei hat sein faszinierender warmer Klang ein großes Publikum verdient: Das Violoncello ist mit seinem fünf Oktaven umspannenden Klangregister eines der vielfältigsten und farbigsten Instrumente. Beckmann ist es mit seinen ausverkauften Konzerten und begeisternden Fernsehauftritten gelungen, Millionen von Zuhörern für das Instrument zu begeistern.